Strom weg, Handynetz überlastet, Internet nur noch stellenweise – genau dann schlägt die Stunde des Amateurfunks. Viele Ortsverbände haben Notfunkgruppen, Pläne und Frequenzen. Was oft fehlt, ist ein Werkzeug, das die vielen Wege zusammenbringt: hier ein HAMNET-Zugang, dort ein Meshtastic-Netz, dazu Packet-Funk und ein Handfunkgerät in der Jackentasche.
Genau dafür gibt es in RigVibe jetzt den neuen Reiter Notfunk. Damit tauschen Stationen Meldungen, Lagebilder und Dateien aus – über jeden Weg, der gerade funktioniert. RigVibe merkt sich, wer über welchen Weg wirklich erreichbar ist, wählt den passenden Weg, wiederholt bei Bedarf und setzt Dateien beim Empfänger geprüft wieder zusammen.
Wichtig: RigVibe ist noch eine Alpha-Version und wir sind auf eure Tests und Rückmeldungen angewiesen. Gerade beim Notfunk zählt jeder Test unter echten Bedingungen: Fehler und Wünsche bitte im Programm über Hilfe → Feedback / Problem melden, per Mail an info@rigvibe.de oder als GitHub-Issue.
🗼 Leuchttürme und Leitstelle
Das Konzept ist einfach: Draußen in den Ortsteilen stehen Leuchttürme – Stationen, an denen Funkamateure Meldungen aufnehmen, nummerieren und weitergeben. Die Leitstelle sammelt alles, sieht auf einen Blick, welche Leuchttürme erreichbar sind, bestätigt Eingänge, stellt Rückfragen und verteilt Lagemeldungen an einzelne Stationen oder an Verteiler wie „alle Leuchttürme“.
Beide nutzen dasselbe Programm und dasselbe Meldungsformat. Du stellst nur die Rolle ein – den Rest passt RigVibe an: Die Leitstelle sieht zuerst ihren Eingang, sortiert nach Priorität; der Leuchtturm hat das Schreiben neuer Meldungen im Vordergrund.

🚀 In fünf Schritten startklar
- Stationskennung eintragen (z. B.
N1CALL-LT1), Rufzeichen, Rolle und die zuständige Leitstelle - Funkwege einschalten und für jeden festlegen, ob er nur empfangen, nur mit deiner Freigabe oder automatisch senden darf
- Für das Netzwerk (HAMNET, LAN, VPN) die Gegenstellen eintragen – Adresse und API-Schlüssel, auf beiden Seiten
- Für Packet, KG-STV und SSTV den Empfang im Digitalbetrieb starten – über Soundkarte, SDR oder direkt das Quansheng über USB
- Heartbeat senden – damit melden sich die Stationen gegenseitig an und stehen in der Stationsliste
✉️ Meldungen schreiben – und wissen, ob sie angekommen sind
Eine neue Meldung hat Ziel, Priorität (Routine, Wichtig, Dringend, Notfall), Kategorie, Betreff, Text und auf Wunsch Anhänge. Noch bevor du auf Senden klickst, zeigt RigVibe dir den vorgesehenen Weg – und ob dafür eine Freigabe nötig ist.

Jede Meldung bekommt eine eindeutige Nummer wie N1CALL-LT1-00042. Dadurch erkennt jede Station Duplikate – auch wenn dieselbe Meldung über zwei Wege ankommt. Und RigVibe unterscheidet sauber: ausgesendet heißt nur, dass sie raus ist. Zugestellt heißt, die Zielstation hat den Empfang quittiert. Bestätigt heißt, ein Mensch an der Zielstation hat sie gelesen und bestätigt. Kommt keine Quittung, wiederholt RigVibe – wenn möglich über einen anderen Weg.

🖼️ Bilder und Dateien – Stück für Stück und geprüft
Ein Foto vom Pegel, eine Lageskizze, eine Liste: Du übernimmst die Datei einmal, RigVibe zerlegt sie in nummerierte Stücke und versieht sie mit einer SHA-256-Prüfsumme. Beim Empfänger siehst du, wie viele Stücke angekommen sind und welche noch fehlen. Fehlt nach einer Pause etwas, fordert RigVibe genau diese Stücke nach – auch nach einem Neustart oder Verbindungsabbruch. Erst wenn die Prüfsumme stimmt, gilt die Datei als vollständig.
Das Schöne daran: Die Stücke dürfen über verschiedene Wege kommen. Ein Teil über das Netzwerk, der Rest über Packet – RigVibe setzt sie zusammen, solange alles zusammenpasst. Für langsame Wege wie Meshtastic erzeugt RigVibe automatisch eine kleine Vorschau des Bildes, die vorab rausgeht; das große Original wartet auf einen schnellen Weg.

📡 Die Wege
Das ist der Kern: Die einzelnen Funktechniken sind bei RigVibe austauschbare Wege eines gemeinsamen Systems – keine getrennten Insellösungen.
| Weg | Wofür | Hinweise |
|---|---|---|
| Netzwerk (HAMNET, LAN, VPN) | alles, auch große Dateien | schnell, aber nur solange das Netz steht |
| Meshtastic | Meldungen, Status, Vorschaubilder | nutzt den unter Meshtastic verbundenen Knoten; kleine Pakete, wenige pro Minute |
| Packet 1200 Bd | Meldungen, kleine Dateien | eigenes Packet-Modem von RigVibe; über Soundkarte, SDR oder Quansheng-USB |
| Quansheng-Datenfunk | Meldungen, Dateien | zwei UV-K1/K5 mit RigVibe-Firmware funken direkt über ihren Funkchip – gepackt und mit Fehlerkorrektur |
| KG-STV / SSTV | Lagebilder | Bild mit Rufzeichen und Kennung; beim Empfänger als ungeprüftes Funkbild |
| Funkruf (DAPNET) | Alarmierung | kurze Texte an Pager, nur in eine Richtung |
| USB-Stick | wenn gar nichts mehr geht | Meldungen samt Anhängen als Datei exportieren und an der anderen Station einlesen |
Das Quansheng UV-K1/K5 mit RigVibe-Firmware trägt Packet, KG-STV und SSTV direkt über das USB-C-Kabel – ohne Soundkarte. RigVibe zeigt dabei nur an, was das Gerät tatsächlich kann: Ein angeschlossenes Funkgerät allein schaltet noch keinen Weg frei. Und was noch nicht fertig ist, steht ehrlich als „nicht verfügbar“ in der Liste – zum Beispiel ARDOP und VARA.

📨 Quansheng-Datenfunk: von Handfunkgerät zu Handfunkgerät
Ab der RigVibe-Firmware Stand 10 hat das UV-K1/K5 einen eigenen Datenweg: Der Funkchip im Gerät sendet und empfängt die Daten selbst (FSK mit 1200 Bd). Es braucht keine Soundkarte, kein Kabelgewirr und kein offenes Fenster – nur das USB-C-Kabel zum Rechner und eine gemeinsame Frequenz.
- Gepackt: Was in einer Aussendung zusammen rausgeht, packt RigVibe mit einem eingebauten Notfunk-Wörterbuch. Eine Lagemeldung schrumpft so etwa auf die Hälfte, eine Meldung mit 2,3 kB Textdatei von 2,6 kB auf 1,2 kB. Unterm Strich kommen bei Meldungen rund 160 Byte pro Sekunde an
- Fehlerkorrektur: Jeder Block berichtigt bis zu vier falsche Bytes selbst, und nach je acht Blöcken folgt ein Paritätsblock – fehlt ein Block ganz, wird er daraus wieder aufgebaut
- Geprüft über Funk: Ein K1 hat gesendet, ein SDR hat mitgeschnitten und die Aufnahme dem K1 wieder vorgespielt – alle 32 Blöcke kamen bitgleich an
Bereits gepackte Dateien wie JPEG werden dabei natürlich nicht kleiner – für Bilder bleibt die Vorschau der beste Weg.
📟 Pager im Umkreis alarmieren
Nicht jeder sitzt am Funkgerät – aber viele tragen einen Funkruf-Pager. Im Bereich Pager lädst du das DAPNET-Verzeichnis, liest eine Liste ein oder trägst Pager von Hand ein. RigVibe ordnet jedem Rufzeichen einen ungefähren Standort zu (aus der Postleitzahl der Rufzeichenliste oder von Hand), und du wählst mit einem Klick alle im Umkreis von zum Beispiel 25 km aus.
Gesendet wird entweder über das DAPNET – an einzelne Pager oder an ganze Sendergruppen wie ein Bundesland – oder direkt über dein eigenes Funkgerät. Das Quansheng UV-K1/K5 mit RigVibe-Firmware macht POCSAG direkt über seinen Funkchip; im Test kamen 19 von 20 Rufen ohne einen einzigen Bitfehler an. Pager sind Einweg: Eine Zustellung wird nie bestätigt.

🔀 Wenn der direkte Weg nicht geht
Hört der Leuchtturm die Leitstelle nicht direkt, aber ein anderer Leuchtturm hört beide? Dann läuft die Meldung über ihn. Jede Station verrät in ihrem Heartbeat, welche Nachbarn sie gerade hört. RigVibe baut daraus Umwege, die Zwischenstation speichert die Meldung und gibt sie weiter (Store-and-forward) und quittiert die Übernahme. Schleifen werden erkannt, die Zahl der Sprünge ist begrenzt, veraltete Meldungen laufen ab.
Geht gerade gar nichts, geht trotzdem nichts verloren: Die Meldung bleibt gespeichert und als „noch nicht zugestellt“ sichtbar – bis ein Weg frei ist, auch über einen Neustart hinweg.

👥 Wer ist wirklich erreichbar?
Eine Station, die vor einer Stunde einen Heartbeat geschickt hat, ist nicht automatisch erreichbar. RigVibe unterscheidet deshalb genau: gehört (wir empfangen sie), bestätigt (sie hat auch unsere Meldungen quittiert – beide Richtungen gehen) und veraltet. Auch ein Funkruf an einen Pager wird nie als „zugestellt“ gemeldet, denn ein Pager kann nicht antworten.

⚖️ Verantwortung bleibt bei dir
- Über Funk sendet RigVibe nur mit eingetragenem Rufzeichen – und ohne Verschlüsselung
- Funkwege stehen von Haus aus auf „von Hand“: Jede Aussendung braucht deine Freigabe. Automatisch nur, wenn du es bewusst einschaltest
- Meldungen mit personenbezogenen Daten brauchen über Funk immer eine Freigabe – offene Funkwege sind nicht vertraulich
- Frequenzen gibt RigVibe nicht vor: Trag nur ein, was mit Bandplan und Notfunkreferat abgestimmt ist
- RigVibe Notfunk ergänzt den Amateurfunk-Notfunk – es ersetzt keine BOS-Kommunikation
🧪 Wie es getestet ist
Der Netzwerkweg ist mit drei echten RigVibe-Installationen geprüft – samt Ausfall einer Station, Weiterleitung über eine Zwischenstation und Duplikaten über den USB-Stick. Packet, KG-STV und SSTV laufen über eine nachgebildete Tonstrecke zwischen zwei RigVibe-Fenstern mit den echten Modems. Den Quansheng-Datenfunk und die Pager-Rufe über das K1 habe ich über Funk mit einem SDR nachgemessen. Der Test mit echter Hardware in einer Übung steht noch aus – genau dafür freue ich mich über Rückmeldungen aus euren Notfunkgruppen.
💡 Ein paar Tipps
- Üben, üben, üben: Richtet Leitstelle und Leuchttürme vorher ein und spielt eine Lage durch – dann sitzt jeder Handgriff
- Für Funkwege lieber seltene Heartbeats – im Netzwerk reichen 2 Minuten, über Funk eher 30 Minuten
- Kurze Meldungen mit klarem Betreff kommen auf jedem Weg durch – große Bilder nur dort, wo Platz ist
- Alles steht im Protokoll mit UTC-Zeit, Station und Weg – praktisch für die Nachbereitung
Die vollständige Beschreibung findest du in der Anleitung. RigVibe gibt es kostenlos für Windows, macOS und Linux – hier geht’s zum Download.
73 de DM5MN